Ein Floss, das Wasser, das Leben

Und sie wurden an Land geworfen, in jenem grausamen letzten Jahr. Von den Launen der Gezeiten. Was noch nie zuvor geschehen war, trat plötzlich ein. Der Kapitän und seine Besatzung mussten sich dem Umzug der Landratten anschliessen... WEITER

«Der Fluss der Zeit ist ein Fluss, der seine Ufer mitführt.» — Robert Musil (1880 – 1942)

So sagte Kapitän Krattiger: «Lasst uns von den Landratten lernen, aber schnell. Wir müssen lernen, ein Haus zu bauen, das uns und unserer Musik Schutz und Trost bietet.» Und schnell haben sie gelernt. Innert kürzester Zeit war da ein Boden gelegt, stand da ein Dach – und nur wenig später spielte sie unter diesem Dach, die Musik.

Doch den Seebärinnen und Seebären wollte es auf dem Land einfach nicht wohl werden. Sie träumten jede Nacht vom Wasser, von den Fluten, von jenem ozeanischen Gefühl, welches ihnen eigen ist. Die Wetterpropheten hüllten sich entweder in Schweigen – oder sprachen bloss rätselhafte Sätze, Worte von Nebeln umhüllt. Also galt es, den Himmel immer fest im Auge zu behalten. Und das haben der Kapitän und seine Leute getan. Jeden Tag.

Und dann plötzlich kam das Zeichen: Ein stattlicher Rabe flog auf das Dach des Hauses, das sie sich notgedrungen gebaut hatten, krähte dreimal, hob dann geschwind wieder ab und bohrte sich in die Wolken hinein. Nun wussten sie: Es ist Zeit.

In Windeseile war alles bereitgestellt, die Sehnsucht nach den Fluten hat sie alle angetrieben. Bis dann stolz das Schiffchen wieder auf dem Wasser war. Die Musik konnte wieder auf den Planken spielen, unter den Segeln, wo sie hingehört.

Seither ist ein Jahr vergangen. Kapitän Krattiger, sein Smutje, der lachende Heinz, und die ganze Mannschaft haben viel gearbeitet. Seltene köstliche Fische wurden auf das Floss gezogen, wurden gebeizt, eingesalzen, fermentiert. Dieses Jahr werden sie ihren Fang den Menschen kredenzen, die da kommen in Scharen, wenn das Floss dem Rheinknie seinen jährlichen Besuch abstattet. Wir reisen also an den Rhein, in der Hoffung auf prächtige – oder zumindest erträgliche – Gezeiten. Und im Wissen, dass wir immerhin eins gelernt haben: Wie man in der Not ein Haus baut. Eine Lehre fürs Leben. Doch gute Gezeiten wären uns lieber. Also reiss dich zusammen, Sankt Petrus, oder wir fahren hinauf in die Wolken. Und zupfen dich am Bart!

Christian Platz, Fahrtenschreiber

Standort

ANFAHRT MIT DEM ZUG AUS DER SCHWEIZ & FRANKREICH

Regelmässige Verbindungen nach Bahnhof SBB / Gare SNCF.

Tram Linie 8 Richtung Basel Kleinhüningen / Weil am Rhein (D) bis Rheingasse (Ca. 10 min). Von da aus sind es nur wenige Schritte bis zur Rheinpromenade, wo das Floss ankert.


ANFAHRT MIT DEM ZUG AUS DEUTSCHLAND

Regelmässige Verbindungen nach Basel Badischer Bahnhof.

Tram Linie 6 Richtung Allschwil Dorf bis Rheingasse (Ca. 6 min). Von da aus sind es nur wenige Schritte bis zur Rheinpromenade, wo das Floss ankert.

Tram Linie 2 Richtung Binningen Kronenplatz bis Wettsteinplatz (Ca. 5 min). Zu Fuss bis zur Wettsteinbrücke und der Rheinpromenade entlang flussabwärts bis zum Floss.(Ca. 10 min).

ANFAHRT MIT DEM AUTO

A2 Richtung Deutschland, Ausfahrt Basel-Badischer Bahnhof, Lörrach, Riehen.
Im Kleinbasel mehrere öffentliche Parkhäuser: Räbgass, Clarahuus, Europe, Claramatte, Messe und Bad. Bahnhof.

A6 Richtung Basel, Ausfahrt Basel City.
Im Grossbasel gibt es zwei Parkhäuser in Gehdistanz zum Floss: Storchen und City Kantonsspital.